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Burnout-Syndrom

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Wenn den Lehrer die Schulangst plagt

Bermatingen - Friedrich Bornschein konnte einfach nicht mehr. Nach 33 Jahren im Schuldienst war der Grund- und Hauptschullehrer sowohl psychisch als auch physisch am Ende. Die Diagnose lautete "Burnout-Syndrom." Das staatliche Gesundheitsamt bescheinigte ihm daraufhin, nie wieder voll dienstfähig zu sein.

Einst war Friedrich Bornschein wohl das, was man einen sozial engagierten Lehrer nennt. Neben seiner Arbeit an der Hauptschule in Meersburg leitete er den Kirchenchor in seinem Heimatort Bermatingen, war Pfarrgemeinderatsvorsitzender, wirkte im Vorstand der Sozialstation Markdorf und betätigte sich als Übungsleiter im örtlichen Turnverein. Doch das ist mittlerweile Vergangenheit. Für solche Dinge fehlt Friedrich Bornschein inzwischen die Kraft.

"Ich habe ein Engagement nach dem anderen zurückgegeben", beschreibt der 60jährige die ersten Anzeichen seines Leidens. Den Beginn seiner Erkrankung kann Friedrich Bornschein heute nicht mehr genau eingrenzen: "Das war ein schleichender Prozeß." Tatsache ist, dass es ihm irgendwann so schlecht geht, dass er im Jahr 2001 drei Wochen in einer psychosomatischen Klinik verbringt. Dort wird dem Vater von drei erwachsenen Töchtern bewusst, dass er sich beruflich verändern muß. Folglich wechselt er an eine Grund- und Hauptschule im beschaulicheren Deggenhausertal. Doch Friedrich Bornschein kommt auch dort nicht mehr auf die Beine - seit 2003 befindet er sich im vorzeitigen Ruhestand.

Ende der 60er Jahre, als ein großer Mangel an Lehrern herrschte, war Friedrich Bornschein noch voller Elan in seinen Beruf gestartet. Man habe ihn damals mit offenen Armen empfangen und geradezu auf Händen getragen. "Auch in der Bevölkerung hatte man Achtung vor dem, was wir leisten", betont er. Nach den Anfangsstationen Rielasingen und Bermatingen schien Friedrich Bornschein an der Hauptschule in Meersburg endgültig sein berufliches Glück gefunden zu haben. "Ich war wirklich sehr gerne Lehrer."

Doch nach zirka zehn Jahren kam nicht nur ein neuer Schulleiter, sondern mit ihm auch ein anderer Wind in die Schule. "Der hat sich aus allem rausgehalten", charakterisiert Friedrich Bornschein seinen ehemaligen Vorgesetzten. Dieser lässt den Lehrer auch dann im Stich, als Eltern ihn wegen angeblich ungerechter Notengebung verklagen wollen. Die fehlende Rückendeckung wird zum Dauerzustand: Als sich Friedrich Bornschein über eine Klasse beschwert, die bei ihm "nur Schrott abliefert", reagiert der Schulleiter mit Unverständnis: "Ich finde die Klasse super." Friedrich Bornschein fühlt sich in die Enge getrieben: "Ich bin immer kleiner geworden."

1996 meldet er sich dann freiwillig, um für ein Schuljahr an eine so genannte Brennpunktschule in Friedrichshafen abgeordnet zu werden. Eine Flucht offenbar, aber keine wirklich gut überlegte: Denn er muß eine sechste Klasse übernehmen, deren Schüler aus zehn verschiedenen Nationen stammen. "Dort habe ich gar keinen Fuß auf den Boden gekriegt, sagt Friedrich Bornschein und schließt dabei sekundenlang seine Augen. "Das war ein echtes Horrorjahr," flüstert er, und man merkt, dass er diese Erfahrung immer noch nicht verarbeitet hat.

Ein Vater droht mit Mord

Zurück in Meersburg, ereilt ihn der nächste Schlag: Sein Schulleiter "degradiert" Friedrich Bornschein in die Grundschule, obwohl der seit zwei Jahrzehnten vor allem Hauptschulklassen unterrichtet hat. Ein weiteres Jahr später passiert die Katastrophe: Ein Vater erträgt es nicht, dass sein Sohn von Friedrich Bornschein nur eine Empfehlung für die Realschule erhält. Es folgen Morddrohungen gegen den Lehrer und dessen Familie. Friedrich Bornschein kann nachts nicht mehr schlafen. Er hat Angst, in die Schule zu gehen.

Die Albträume plagen ihn bis zum heutigen Tag. "Das Unterbewusstsein arbeitet noch immer." Zuletzt habe er sich in seinem Beruf nur noch mit Füßen getreten gefühlt. Die Selbstzweifel seien ihm über den Kopf gewachsen. Doch darüber spricht Friedrich Bornschein nicht gerne. Er weicht aus, wenn man ihn im Detail nach den Symptomen seiner Krankheit fragt. "Ich litt halt an Depressionen."

Zu denen, glaubt Friedrich Bornschein, haben auch die gängigen Vorurteile gegenüber Lehrern ihren Teil beigetragen. "Jeder Mensch hat eine Geschichte mit der Schule. War diese schlecht, dann bleibt oft Hass zurück." Friedrich Bornscheins Geschichte mit der Schule ist beendet. Geblieben ist ihm eine große Verbitterung und der Wunsch "jetzt einfach nur noch zu leben."

Auf einen Blick:
Jeder dritte Pädagoge ist betroffen

Laut der jüngsten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist jeder dritte Lehrer in Deutschland vom "Burnout-Syndrom" betroffen. Seit zwei Jahren bietet die ADULA-Klinik in Oberstdorf ein spezielles Therapieangebot für Lehrer, die unter Erschöpfungszuständen, akuten Belastungsreaktionen, Angststörungen, Depressionen oder Lebens- und Sinnkrisen leiden. "Diese Berufsgruppe hat einen speziellen Bedarf", bestätigt Claudia Peter, Pressesprecherin der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Weiter erklärt sie: "In den meisten Fällen vermischen sich die beruflichen und privaten Probleme. Oft scheint es gerade die sehr engagierten Lehrer zu treffen." In punkto Heilungschancen ist sie vorsichtig: "Wir können ihnen die Werkzeuge zur Selbsthilfe im Alltag bieten - doch jeder einzelne Fall ist sehr vielschichtig." Im Schnitt würden die Menschen zwischen sechs und zehn Wochen in der Klinik verweilen. "Vor allem in den Sommermonaten und während der Schulferien ist bei uns sehr viel los - die Lehrer sind sehr pflichtbewusst und wollen in der Schule nicht fehlen."

Info: Kontakt zur Adula-Klinik unter:
Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Klinik Dr. Reisach
In der Leite 6
87561 Oberstdorf
Telefon 08322 709-0
E-Mail: info@adula-klinik.de

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