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Beim Jubiläum der Adula-Klinik gab es Partystimmung und Nachdenkliches

Nostalgischer Rückblick, begeistertes Wiedersehen, skeptische Vorausschau – diese drei Stimmungen lagen beim Fest zum zehnjährigen Jubiläum der Adula-Klinik dicht beieinander. Mehr als 400 ehemalige Patienten der Klinik waren aus ganz Deutschland zusammengekommen, um Geburts-tag zu feiern – den Geburtstag einer Einrichtung, die jedem von ihnen in einer Lebenskrise Zuflucht geboten hatte.

Dr. Georg Reisach, der Eigentümer der Klinik, spannte zu Beginn der Feiern einen großen politischen Bogen vom Gründungstag bis in die Gegenwart. Die Adula-Klinik, so erinnerte er sich, sei mitten in den Wirren einer vergangenen Gesundheitsreform gegründet worden.

„Bundesweit mussten damals 200 Rehakliniken schließen. Wir eröffneten und waren binnen eines halben Jahres voll belegt.“ Seither sei die Klinik immer im Durchschnitt zu 99 Prozent voll gewesen. Diese Erfahrung hat bei Reisach die Skepsis angesichts aktueller Reformanstrengungen im Gesundheitswesen geschürt. Im Grunde gebe es seit 17 Jahren ständig eine Strukturreform, meinte er und prophezeite: „Was die Regierung jetzt vor der Sommerpause beschließt, wird im nächsten Jahr hinfällig sein.“ Am Abend boten die Immenstädter Psychologin und Liedermacherin Iria Schärer sowie der „singende Clown“ Walter Spira aus Ulm ernste und ironische Reminiszenzen an die Themen der Klinik, von der Zuversicht bis zur Depression.

Die Adula-Klinik verdankt ihren Erfolg auch einem bedauerlichen Trend: Immer mehr Menschen geraten in psychische Lebenskrisen, werden suchtkrank oder depressiv und benötigen professionelle Hilfe. Deswegen nutzte Dr. Godehard Stadtmüller, der Chefarzt der Klinik, das Jubiläum, um ein paar ernstere Töne anzuschlagen. Er befasste sich in seinem Festvortrag mit dem Thema: „Hingabe und Selbststand – sich verlieren oder sich behaupten.“

Man könne, so seine überraschende These, sich gerade in der Hingabe selbst verlieren. Stadtmüller illustrierte das an dem Bibelwort „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Dieser Satz werde im Christentum oft falsch verstanden, nämlich als „liebe Deinen Nächsten mehr als Dich selbst.“ Dabei enthalte er auch den Imperativ, sich selbst zu lieben, und zwar genauso stark und genauso tief wie den Nächsten. Hingabe meine daher nicht nur die Hingabe an den Nächsten , sondern genauso die Hingabe an sich selber, etwa in dem Bestreben, „mit dem Talent zu wuchern und sich weiser zu machen.“ Zu diesem „Selbststand“ könne es auch gehören, die eigenen psychischen Grenzen zu überschreiten, Veränderung zuzulassen. Denn nur wer den Mut habe, seine Grenzen mal von der anderen Seite her zu betrachten, könne entdecken, dass das Leben jenseits dieser Grenzen auch Einiges zu bieten habe.

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